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Digitales Behandlungsbuch – Pflicht, Vorteile und Umsetzung

Das Behandlungsbuch ist gesetzliche Pflicht. Digital geführt spart es Zeit, vermeidet Fehler und ist bei jeder Kontrolle sofort griffbereit.

1. Warum ist das Behandlungsbuch Pflicht?

In Österreich und Deutschland ist jeder Tierhalter gesetzlich verpflichtet, den Einsatz von Tierarzneimitteln zu dokumentieren. Das Ziel: Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

⚠️ Gesetzliche Grundlagen:

  • Österreich: Tierarzneimittelkontrollgesetz (TAKG), Tierhalter-Arzneimittel-Nachweisverordnung
  • Deutschland: Tierarzneimittelgesetz (TAMG), Verordnung über tierärztliche Hausapotheken
  • EU-weit: EU-Tierarzneimittelverordnung 2019/6 – seit Januar 2022 in Kraft

Die Aufbewahrungspflicht beträgt 5 Jahre. Bei Kontrollen durch die Bezirkshauptmannschaft, den Amtstierarzt oder die AMA muss das Behandlungsbuch jederzeit vorgelegt werden können.

2. Was muss dokumentiert werden?

Jede Behandlung mit Tierarzneimitteln muss folgende Informationen enthalten:

PflichtangabeBeispiel
Datum der Behandlung12.02.2025
Tier-IdentifikationAT 123456789 (Ohrmarke)
Diagnose / GrundMastitis, linkes Vorderviertel
MedikamentCobactan LC
Dosierung & Menge1 Injektor, 3× im Abstand von 12h
Wartezeit Milch5 Tage nach letzter Gabe
Wartezeit Fleisch2 Tage nach letzter Gabe
Behandelnder TierarztDr. Maier (oder: Eigenanwendung lt. TAM-Nachweis)
💡 Wichtig: Die Wartezeiten sind besonders kritisch. Wird Milch mit Antibiotikarückständen abgeliefert, drohen Liefersperren und hohe Strafen. Ein digitales System berechnet Wartezeiten automatisch und zeigt sie klar an.

3. Papier vs. Digital – der Vergleich

Kriterium📝 Papier💻 Digital
EintragungPer Hand, fehleranfälligGeführte Eingabe, Medikamente vorausgewählt
WartezeitenSelbst berechnen / nachschlagenAutomatisch berechnet und angezeigt
SuchenBlättern, Ordner durchsuchenSofort auffindbar per Kuh oder Datum
KontrolleOrdner zum Kontrolleur bringenAusdrucken oder am Bildschirm zeigen
SicherheitKann verloren gehen, Wasser- / FeuerschadenAutomatische Backups, verschlüsselt
ProtokolleJeder Schritt einzeln notierenMehrstufige Protokolle mit automatischen Erinnerungen
Aufbewahrung5 Jahre Ordner lagernUnbegrenzt in der Cloud, kein Platz nötig

4. Digitales Behandlungsbuch in der Praxis

So funktioniert das Behandlungsbuch in Meineherde – ein typischer Ablauf am Beispiel einer Mastitis-Behandlung:

1

Medikament einmalig anlegen

Du legst das Medikament einmal an – z.B. "Cobactan LC" mit Standarddosis, Anzahl Gaben und Wartezeiten. Ab jetzt steht es bei jeder Behandlung zur Auswahl. Mehr dazu in unserer Anleitung zu Behandlungen.

2

Behandlung starten

Kuh auswählen → Medikament auswählen → Diagnose eingeben → Fertig. Die erste Gabe wird automatisch dokumentiert.

3

Weitere Gaben dokumentieren

Bei Medikamenten mit mehreren Gaben (z.B. 3× Cobactan im Abstand von 12 Stunden) zeigt das Dashboard die offenen Behandlungen an. Tippe auf die Kuh und bestätige die Gabe.

4

Behandlung abschließen

Nach der letzten Gabe wird die Behandlung abgeschlossen. Die Wartezeiten für Milch und Fleisch werden automatisch berechnet und im Kalender angezeigt.

Beispiel: Komplexes Protokoll – PRID-Spirale

Manche Behandlungen bestehen aus mehreren Schritten über mehrere Tage – z.B. eine PRID-Spirale zur Brunsteinleitung:

Tag 0PRID-Spirale einsetzen + GnRH-Injektion
Tag 7Spirale entfernen + PGF2α-Injektion
Tag 9GnRH-Injektion
Tag 10Besamung

In Meineherde legst du das einmal als Protokoll an. Danach startest du das Protokoll und hakst jeden Schritt ab – die Software erinnert dich an den nächsten.

5. So gelingt die Umstellung

Die Umstellung von Papier auf digital geht schneller als gedacht:

1. Medikamente einmalig anlegen (10 Min.)

Die meisten Betriebe verwenden regelmäßig 5–10 verschiedene Medikamente. Lege sie einmal mit Standarddosis und Wartezeiten an – ab dann stehen sie bei jeder Behandlung zur Auswahl.

2. Ab sofort digital dokumentieren

Beginne ab heute mit digitaler Dokumentation. Bestehende Papier-Aufzeichnungen musst du nicht rückwirkend übertragen – die Aufbewahrungspflicht läuft parallel weiter.

3. Smartphone oder Monitor im Stall

Am besten dokumentierst du Behandlungen sofort – direkt nach der Behandlung auf dem Smartphone oder am Touch-Monitor. Je näher am Geschehen, desto weniger wird vergessen.

💡 Tipp: Frag deinen Tierarzt nach den genauen Wartezeiten und Dosierungen deiner Standardmedikamente. Einmal korrekt angelegt, hast du nie wieder Unsicherheit bei Wartezeiten. Unser Leitfaden zur Digitalisierung erklärt den gesamten Umstieg.

6. Fazit

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Das Behandlungsbuch ist gesetzliche Pflicht – 5 Jahre Aufbewahrung
  • Digital ist schneller, sicherer und vollständiger als Papier
  • Wartezeiten werden automatisch berechnet – weniger Risiko bei Milchlieferung
  • Protokolle für wiederkehrende Behandlungen sparen Zeit
  • Die Umstellung dauert weniger als 30 Minuten

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7. Häufige Fragen

Ist ein digitales Behandlungsbuch gesetzlich erlaubt?

Ja. Die Dokumentationspflicht schreibt vor, WAS dokumentiert werden muss – nicht WIE. Ein digitales Behandlungsbuch erfüllt die Anforderungen, solange die Daten vollständig, nachvollziehbar und jederzeit verfügbar sind. Bei Kontrollen muss die Liste ausgedruckt oder am Bildschirm gezeigt werden können.

Welche Angaben muss das Behandlungsbuch enthalten?

Pflichtangaben sind: Datum der Behandlung, Identifikation des Tieres (Ohrmarke), Diagnose/Grund der Behandlung, verabreichtes Medikament mit Dosierung und Menge, Wartezeit für Milch und Fleisch, sowie Name des behandelnden Tierarztes bzw. Anwenders.

Wie lange muss ich Behandlungsdaten aufbewahren?

In Österreich und Deutschland beträgt die Aufbewahrungspflicht 5 Jahre. Digitale Systeme haben hier einen klaren Vorteil: Die Daten gehen nicht verloren, werden automatisch gesichert und sind auch nach Jahren sofort auffindbar.

Was passiert bei einer Kontrolle, wenn mein Behandlungsbuch lückenhaft ist?

Lückenhafte oder fehlende Dokumentation kann zu Beanstandungen, Auflagen und im Wiederholungsfall zu Strafen führen. Bei Betrieben mit Milchlieferung können auch Liefersperren die Folge sein, wenn Wartezeiten nicht nachweisbar sind.

Kann ich Behandlungsprotokolle für wiederkehrende Abläufe anlegen?

Ja, gute Software unterstützt Protokolle mit mehreren Schritten – z.B. für eine PRID-Spirale mit 4 Schritten über 10 Tage. So musst du nur das Protokoll starten und die einzelnen Schritte abhaken, statt alles neu einzugeben.

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Meineherde Team

Von Landwirten für Landwirte entwickelt. Wir kennen die Herausforderungen im Stall aus erster Hand und bauen Software, die wirklich hilft.